Badische Zeitung 2013

Klangsynthese von heiter bis mutig

Beim Frühlingskonzert der Trachtenkapelle Schuttertal erklingen klassische Melodien neben ungewohnten Intonationen.

Die Blasmusik hat die konventionellen Pfade längst verlassen und sich aufgemacht in moderne und progressive Musiklandschaften. So war es zumindest beim Frühlingskonzert der Trachtenkapelle Schuttertal am Samstag vor vollem Haus. Das Gastorchester aus Biberach bestach mit seiner außergewöhnlichen Instrumentalbesetzung und mit Gesangseinlagen.

Modern und aufgeschlossen präsentierten sich beide Orchester. Während die Trachtenkapelle dabei auf Standards setzte, erweiterten die Biberacher die Grundbesetzung mit für das Genre eher untypischen Klangkörpern. Dementsprechend gestaltete sich das Repertoire der Stücke mit Flöte und dem klassischen Bläsersatz bis hin zu E- und Bassgitarre, Akkordeon und Keyboard. Diese Gegensätze verliehen dem Abend eine schöne Synthese.

Die Schuttertäler machten mit dem Eingangsstück „Liberty Fanfare“ gleich gute Laune. Die Freiheitsfanfare stammt aus der Feder von John Williams, eigens geschrieben zum 100-jährigen Bestehen der Freiheitsstatue in New York.

Beim progressiven „Fantasy“ von Philip Sparke, der sich als Komponist zeitgenössischer Blasorchestermusik einen Namen machte, unterlegten die 61 Musikerinnen und Musiker konform die Soloeinlagen von Konrad Himmelsbach am Euphonium. Leonie Meier, die laut den Moderatoren Heike und David Faißt einem alten Schuttertäler Musikergeschlecht entstammt, zog beim „Flight of Fancy“ alle Register ihres Könnens an der Flöte. Da saß jeder einzelne Ton und die 13- Jährige nahm die Zuhörer durch ihre lebendige und gefühlte Intonation mit auf den musikalischen Höhenflug.

Rundum fröhlich kam das „Merry go round“ in Anlehnung an ein sonores Karussell daher. Das Stück bietet jedem Register die Möglichkeit, mit flotten Notenläufen die Zuhörer zu beeindrucken. Einen kontrastreichen Evergreen der Rockmusik wagte die Trachtenkapelle mit „Music“ von John Miles. Getragen von einem wiederkehrenden Thema bot der Hit den Soloeinlagen von Josef Wölfle (Flügelhorn), Julia Schwörer (Saxophon), Vincent Meier (Posaune) und dem Percussionisten Manuel Kopf ein ausgezeichnetes Podium. Zum Abschluss wurde ein Medley der „Jackson 5“ dargeboten. Im zweiten Konzertteil gehörte dem Biberacher Blasorchester unter der Leitung von Stefan Faulhaber die Bühne. Es begab sich unter dem Motto „Porträts“ auf einen Rundgang durch die Musikstile. Romantisch und abenteuerlich intonierte das 66-köpfige Ensemble eine legendäre Reise des Iren Red Hugh O’Donnell nach einer verlorenen Schlacht zu den spanischen Verbündeten im 16. Jahrhundert. Tragende Elemente bei der keltischen „Seville Siute“ waren das Fagott, das Akkordeon und die Querflöten.

Für das Porträt eines eigenwilligen Gitarristen wählte Stefan Faulhaber den Weltstar Carlos Santana. Die Kombination von Blasorchester und dem gelungenen E-Gitarrensolo von Hans Grimm bei „Europe“ war dabei gewöhnungsbedürftig und mutig aber interessant.

Extravagant ging es nahtlos weiter mit einer Interpretation von „Der dritte Mann“. Dem Arrangement von Toshio Mashima lag ein Sambarhythmus zugrunde, der dem eigentlichen Thema mit der Zither – in diesem Falle von den Bläsern gespielt – eine spezielle Würzung verlieh. Das Publikum fand’s gut und honorierte die Darbietung mit viel Applaus. Ein Medley bekannter Hits von Udo Jürgens beschloss das Doppelkonzert gebührend. Rudi Fautz sang gekonnt die Erfolgsnummern wie „Liebe ohne Leiden“ oder den Rausschmeißer „Ehrenwertes Haus“.

Ehrungen: Goldene Ehrennadel Deutscher Blasmusikverband für 50 Jahre: Anton Gehring; Ehrenmitglied: Anton Meier; Silberne Ehrennadel Dt. Blasmusikverband für 25 Jahre: Gabriele Ohnemus; Silberne Ehrennadel Ortenauer Blasmusikverband: Heike Faißt-Keusgen.