Badische Zeitung 2014

Mit Schwung ins Frühjahr

Die Tafel ist beim Frühjahrskonzert der Trachtenkapelle Schuttertal reichlich mit musikalischen Köstlichkeiten gedeckt gewesen. Das große Blasorchester kredenzte ein wechselvolles und hochwertiges Programm, das von vielen Soloeinlagen lebte. Mit den Gästen der Winzerkapelle aus Oberbergen gelang insgesamt ein Konzertabend der Spaß machte.

Die Doppelkonzerte haben in Schuttertal Tradition und sind ein Garant für musikalische Vielfalt. Am Samstagabend wurden die zahlreichen Gäste verwöhnt mit Kompositionen, die längst nicht mehr nur der traditionellen Marsch- und Militärmusik dienlich sind. Die Aufgeschlossenheit beider Blasorchester für viele Stilrichtungen ließ die Aufführungen zu einem Erlebnis werden. Eindruck hinterließ außerdem der große Anteil an Jungmusikern. Prägnant war auch die Vielzahl an japanischen Werken.

Damit stieg die Trachtenkapelle Schuttertal unter der Leitung von Manuel Philipp Gruber in den Konzertabend ein. Die „Fanfare – Benefaction from Sky and Mother Earth“ des jungen Komponisten Satoshi Yagisawa beschreibt die Wohltaten des Himmels und der Mutter Erde, die die über 60 Musiker verheißungsvoll darboten. Bei dem Allegro des „Konzerts in Es-Dur für Trompete und Orchester“ von Johann Baptist Neruda, das seinen Ursprung im späten Barock hat und für ein kleines Horninstrument geschrieben wurde, gehörte die Bühne dem 17-jährigen Trompeter Thomas Himmelsbach, der seine Kapelle als Nachwuchsmusiker würdig repräsentierte. Eine musikalische Parabel für die atemberaubende Schönheit des Mount Everest intonierte die Trachtenkapelle souverän mit dem gleichnamigen Stück von Rossano Galante. Wiederkehrende Figuren waren geprägt von kräftigem imposantem Blech und orchestralem Pianissimo. Beschwingtheit und Lebensfreude gab es dann mit dem „I got rhythm“ von George Gershwin, das mit vielen Effekten und einer starken Percussion beeindruckte.

Szenenapplaus erntete Daniel Schwörer an der Trompete beim unbeschwerten „At the Mambo Inn“. Und zuletzt hielt es die Gäste aus Oberbergen nicht mehr auf ihren Plätzen, die bei der Zugabe den Refrain des Marschklassikers „Wir sind Kameraden auf See“ im Stehen kräftig mitsangen. Ihr Debüt im Hauptorchester feierten Jonas Singler, Sarah Müllerleile, Theresa Schwörer, Anna-Lena Faißt und Lara Himmelsbach.

Im Anschluss hinterließ die Winzerkapelle aus Oberbergen am Kaiserstuhl mit ihrem Dirigenten Denis Laile einen bleibenden Eindruck mit einem Auszug aus ihrem neuen Programm „Ostherz“. In Anlehnung an Kompositionen östlichen Ursprungs zeigte das große Ensemble insbesondere mit „Ikaruga“ in vier Sätzen seine Stärke und Qualität. Das schwierige Werk beschreibt in wechselvoller meditativer und temperamentvoller Weise die gleichnamige japanische Region. Ragtime – der Vorläufer des amerikanischen Jazz – und jüdische Klezmermusik wurden vereint bei Adam Gorbs Komposition „Eine kleine yiddische Ragmusik“. Der Optimismus des armen aber lebensfrohen jüdischen Milchmanns Tevje im russischen Kaiserreich, den die Winzerkapelle im „Fiddler on the roof“ hervorragend umsetzte, sprang auf das begeisterte Publikum über, das insgesamt einen fantasievollen Ausflug in die große Welt der Klangfarben mit zwei tollen Ensembles erleben konnte.

Ehrungen: Große Goldene Ehrennadel Deutscher Blasmusikverband: 50 Jahre Josef Gehring, Karlheinz Weber; Goldene Ehrennadel: 40 Jahre Roland Butt; Silberne Ehrennadel: 25 Jahre: Sibylle Killeweit; Silberne Ehrennadel Ortenauer Blasmusikverband: Reinhard Funk