Badische Zeitung 2014

Politische und kritische Operette

Die Trachtenkapelle Schuttertal hat als Welturaufführung „Brand auf Java“ inszeniert / Geballter Inhalt in drei Akten.

Es war eine Weltpremiere, die die Schuttertäler Trachtenkapelle über die Weihnachtstage auf die Bühne in der Festhalle brachten. Mit der Uraufführung der Operette „Brand auf Java“ von Horst Kurt Müller hat sich das Ensemble auf ein Wagnis eingelassen, denn nicht eine der weltbekannten Operetten kam zu Aufführung, sondern ein gänzlich unbekanntes Stück.

Kommt das Publikum, wenn mal nicht „Der Zigeunerbaron“, „Schwarzwaldmädel“ oder „Maske in Blau“ auf dem Plakat steht? Die Schuttertäler Operettenfreunde kamen und gaben den Beweis, „dass das Interesse das Publikum vor die Bühne bringt und nicht die Berühmtheit der Stücke“, wie es der Komponist Horst Kurt Müller formuliert hat. Und das Ensemble machte dem 87-Jährigen nicht nur die Uraufführung zum Geschenk, sondern die Schuttertäler Fassung seiner Operette in gebundener Fassung. Damit ging für den Komponisten ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Der gebürtige Magdeburger wohnte trotz angeschlagener Gesundheit der Premiere am Stephanstag in Schuttertal bei, lobte den Dirigenten Manuel Gruber, das Orchester und die Akteure auf der Bühne danach überschwänglich (siehe auch Interview auf diese Seite). Ganz besonders beeindruckten den 87-Jährigen die Bühnenbilder, die nicht nur wie geschaffen für das Stück gewesen seien, sondern auch denen seines Textbuches sehr ähnlich seien. „Das war der Dank der Kulissenbauer an mich“, so Müller.

Neun Protagonisten und rund 20 Nebenrollen brachten die Geschichte um den niederländischen Großkaufmann, Paul de Grajeenen (Arnold Schultheiß) und den amerikanischen Großindustriellen James Morrison (David Faißt) auf die Bühne. Dabei ging es um Geld, Macht, Unterdrückung und die Liebe. Letztere sollte als arrangierte Hochzeit zwischen Morrissons Sohn Jack (Kevin Hummel) und de Grajeenens Tochter Hester (Isabell Reichenbach) lediglich wirtschaftlichen Interessen dienen.

Doch wie das Leben so spielt – und insbesondere in Opern und Operetten – wird den Arrangeuren solcher Verbindungen durch die wahre Liebe ein Strich durch die Rechnung gemacht. Denn Soga Tura (Michael Hummel), ein javanischer Ingenieur und rechte Hand des amerikanischen Großindustriellen bei der Übernahme javanischer Ölfelder, hatte sich bereits in das Foto im silbernen Rahmen und damit in Hester, die Tochter de Grajeenens (Isabelle Himmelsbach), verliebt und Jack Morrison in keine andere als in Soga Turas Schwester Mara (Linda Schuhmacher).

Um die Verwicklungen komplett zu machen, war da noch Morrisons Sekretär Pankratius Foolgard (bravourös gespielt von Dominik Schätzle), der in seiner unbeholfenen Art und in seiner selbst überschätzten Liebe zu Mara mehr als gewollt zum Scheitern des Planes seines Chefs James Morrison beitrug.

Ende gut, alles gut? Mitnichten, denn im Stück ging es nicht nur um das Spiel mit der Liebe, sondern um viel mehr. Gesellschaftskritik, Politik, Klassenunterschiede, Arbeiterbewegung und um die Frage der Loyalität zur Heimat, der eigenen Gesellschaftsschicht. „Brand auf Java“ spielt in der Kolonialzeit, als das Land von den Niederländern besetzt war, Java im niederländisch-britischen Krieg an die Briten fiel, später die Insel von den Truppen des japanischen Kaiserreichs besetzt und nach der Ausrufung der Unabhängigkeit Java Teil des Staatsgebietes der Republik Indonesien wurde.

Es war schwere Kost für Publikum und Protagonisten, denn Horst Kurt Müller hat in seinem Libretto sich nicht einfach auf „Waschweibergesang und die leichte Muse“ beschränken wollen. Mit seinem „Brand auf Java“ war neben den leisen Tönen laute Kritik an Wirtschaft und Politik deutlich spürbar. „Du als Amerikaner hast nur eines zu lieben, das Geld“, sagt der Ölmagnat James Morrison zu seinem Sohn Jack. Und weiter: „Wir Amerikaner wollen die Freiheit der Völker verteidigen und dazu muss man Öl haben.“

Diesen geballten Inhalt in drei Akten, mit diversen Sologesängen und Duetten auf die Bühne zu bringen, war eine schwere Aufgabe, die Regisseur Dominik Schätzle, Chorleiter Simon Göppert sowie Michael Hummel und Manuel Philipp Gruber und das ganze Team, das an der Umsetzung von „Brand auf Java“ arbeitete, übernommen hatten. Dieser Mammutaufgabe war es geschuldet, dass der erste Akt sehr dialoglastig war. Die Geschichte musste zum Verstehen für das Publikum erzählt werden. Doch spätestens im zweiten Akt wurden die Zuhörer für ihre Geduld belohnt: Musik, Gesang und die eine oder andere Slapstickeinlage sorgten für Zwischenapplaus und gute Unterhaltung. Nach dem dritten Akt hieß es an den Tischen: „Schee war’s!“ und den Darstellern war durch den Applaus der Dank des Publikums sicher.