Badische Zeitung 2016

Oper, großes Kino und etwas Jazz

Frühjahrskonzert der Trachtenkapelle Schuttertal begeistert Publikum / Verdiente Mitglieder wurden geehrt.

Wenn Manuel Philipp Gruber den Taktstock schwingt, dann folgen ihm die Musiker der Trachtenkapelle Schuttertal hoch konzentriert. Es ist diese Disziplin und diese Genauigkeit, die das Frühjahrskonzert der Kapelle jedes Mal zu außergewöhnlichen Hörerlebnissen führt. So wieder am Samstagabend in der Festhalle in Schuttertal. Zudem hatte der Musikverein die Trachtenkapelle Biederbach eingeladen, die sich mächtig ins Zeug legte, um die zweite Hälfte des Konzertabends schön zu gestalten. Nicht nur die Schwarzwäldertracht der Gäste glänzte hier im Licht der Bühnenscheinwerfer.

Zwar gehört Marschmusik noch immer zum festen Repertoire der Kapellen, doch an diesem Abend wählten die Schuttertäler die Oper, um zur Hochform aufzulaufen, während sich die Biederbacher vorwiegend an Filmmusik wagten. Diese Musikliteratur im Bläsersatz so wiederzugeben, dass das Publikum glaubt, Sinfonikern zuzuhören, war eine große Leistung.

Zu hören war das beispielsweise bei den Schuttertaler Musikerinnen und Musikern, die die Ouvertüre von Giuseppe Verdis Nabucco gekonnt präsentierten. Nicht nur ist es schwer, all die trällernden Phrasierungen in den Registern der Holzbläser exakt wiederzugeben, auch die furiose Dynamik, die ja das Dramatische der Oper unterstreichen soll, ist eine echte Herausforderung. Hervorzuheben sind hierbei die Solopartien der Klarinettistin Miriam Göppert. Sie leitete die Melodie des berühmten „Gefangenenchors“ ein und übergab sie sozusagen den übrigen Registern. Nach der Ouvertüre hätte man glatt gerne die ganze Oper gehört.

Bei der Fantasie über das ursprünglich irische Volkslied „Lang, lang ist’s her“ (Reinhold Ritter, im Arrangement von Ed Funck) hatte die erst 16-jährige Magdalena Schwörer Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Sprünge über mehrere Oktaven, Phrasierungen, die sich in Sechzehntel-Kaskaden ergossen und Melodiebögen, die nicht nur einen langen Atem, sondern großes musikalisches Verständnis einforderten, waren dem Publikum einen frenetischen Zwischenapplaus wert.

Debüt für zwei Jungmusikerinnen

Nebenbei bemerkt: An diesem Abend spielten auch erstmals zwei Jungmusikerinnen im Register Horn mit, nämlich die elfjährige Apollonia Meier und die zwölfjährige Jule Himmelsbach. Apollonia hatte sich erst kürzlich für den Landeswettbewerb Jugend musiziert qualifiziert. Schade, dass die Trachtenkapelle Schuttertal nach ihrem furiosen Auftritt nicht auf die Zugabewünsche des Publikums einging.

Nach der Pause brillierte die Trachtenkapelle Biederbach mit Filmmusik, einem höchst anspruchsvollen Medley großer Klassiker von „Queen“ und „Genesis“, um schließlich zwei Zugaben zu geben. Besonders die erste von beiden Zugaben beeindruckte das Publikum zutiefst. Dirigent Stephan Rinklin schnappte sich einen Marschmusik-Klassiker (Alte Kameraden) und schickte sowohl seine Musiker als auch die Zuhörer durch ein Wechselbad aus orchestralem Swing à la Duke Ellington und strammem 4/4-Takt. Das Experiment gelang nicht nur deshalb vortrefflich, weil die Kapelle über ein hohes Maß an Musikalität verfügt, sondern weil sie sich von einem Takt auf den anderen in eine veritable, fast 80-köpfige Big Band zu verwandeln weiß.

Ehrungen: für 40 Jahre Mitgliedschaft Roland Butt, Arnold Schultheiß und Josef Wölfle