Lahrer Zeitung 2016

Lügen und Liebeswirrwarr

Mit einer temperamentvollen und amüsanten Inszenierung der „Ungarischen Hochzeit“ hat die Trachtenkapelle Schuttertal begeistert. Nahezu 30 Darsteller und ein neunköpfiges Orchester brachten Operettenflair in die Schuttertäler Festhalle.

Unter der Gesamtleitung von Dominik Schätzle und Michael Hummel führte das eingespielte Ensemble die Zuschauer in das Ungarn zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Graf Stefan Bardossy (Michael Hummel) soll in dem Dorf Poplaka nach dem Rechten sehen, da den dort angekommenen Siedlern bisher nur alte und hässliche Witwen anstelle der versprochenen jungen und schönen Mädchen zur Hochzeit angeboten worden sind. Doch da eine Dame in seinem Gemach auf ihn wartet, beauftragt er seinen Kammerdiener Arpád (Dominik Schätzle), als Graf verkleidet die Reise für ihn anzutreten. Baron von Halmay (Fabian Deibel) sowie Desider, der Onkel des Grafen (Adrian Schätzle), sollen ihn begleiten.

Die drohende „Inspektion“ beunruhigt Kismárty (Arnold Schultheiß), Stuhlrichter von Poplaka, sehr. Zum Schein besorgt seine clevere Gemahlin Frusina (Anna Schmidt) die schönsten Mädchen der Gegend, darunter auch ihre als Bauernmädchen verkleidete Tochter Janka (Isabelle Himmelsbach), um sie den Siedlern zur Hochzeit anzubieten. Als Siedler verkleidet und in der Hoffnung, dort ebenfalls ein hübsches Mädchen zu ergattern, ist der echte Graf Bardossy mittlerweile heimlich in Poplaka angekommen. Dort verliebt er sich Hals über Kopf in Kismartys Tochter Janka (Isabelle Himmelsbach).

Spielfreude trifft auf komödiantisches Talent

Nun nimmt ein humorvolles Spiel aus Verwechslungen, Lügen und einem echten Liebeswirrwarr seinen Lauf. Etelka (Linda Schuhmacher), ein Bauernmädchen, das hoch hinaus will, hat sich in den falschen Grafen verliebt und träumt schon von einem mondänen Leben als Gräfin. Unheilvolle Scheinehen werden geschlossen. Doch dann fällt eine Maskerade nach der anderen, und dem echten Grafen Bardossy wird sogar noch eine falsche Braut zur Hochzeit untergejubelt. Schließlich soll die Kaiserin Maria Theresia (Anja Müllerleile) wieder alles ins Reine bringen – und alle Paare finden doch noch zueinander.

Alle Darsteller haben mit großer natürlicher Spielfreude und bisweilen ausgeprägtem komödiantischen Talent das Publikum über fast drei Stunden unterhalten. Herrliche Szenen wie das Buhlen der beiden Kontrahenten Arpad und Desider um die Gunst des Bauernmädchens Etelka oder der stets resolute Auftritt Frusinas, der Gemahlin des hilflos wirkenden Stuhlrichters, reihten sich aneinander.

Das erstklassige Orchester hat unter der Leitung von Ossy Fahrner viele wunderbare, eingängige Melodien gespielt und so zusammen mit dem Gesang der Darsteller das tragende Element des Genres bedient. Die Noten waren von Manuel Philipp Gruber, musikalischer Leiter des Schuttertäler Musikvereins, aufwendig auf dieses Ensemble umarrangiert worden. Er hatte auch den Gesang mit den Darstellern einstudiert. Bei der Darbietung der Lieder und dem Csárdás, einer traditionellen Tanzform Ungarns, kam „gepfeffertes“ ungarisches Temperament auf. Besonders gelungen war die Darbietung des Lieds „Ungarnmädel lieben“. Die liebevoll und aufwendig gestalteten Kulissen entführten das Publikum nicht nur in das ländliche Poplaka, sondern auch zur Kaiserin in den Prunksaal. Die Zuschauer dankten dem ganzen Ensemble mit lang anhaltendem Applaus.

Die Laienspielgruppe der Trachtenkapelle führte das Stück an den Weihnachtsfeiertagen insgesamt dreimal mit Erfolg auf