Badische Zeitung 2017

Finale mit dem Barbier von Sevilla in Schuttertal

LAND & LEUTE: Edwin Hummel spielt nach 60 Jahren zum letzten Mal die große Trommel beim Frühjahrskonzert der Trachtenkapelle.

SCHUTTERTAL. Beim Frühjahrskonzert der Trachtenkapelle Schuttertal erklingt am Samstag, 8. April, um 20 Uhr neben Stücken wie „The Olympic Spirit“ oder „Red Rock Mountain“ auch der Barbier von Sevilla. Es ist ein Stück, das Edwin Hummel immer gerne gehört hat. Für das Frühjahrskonzert, das nach 60 Jahren aktiver Mitgliedschaft in der Trachtenkapelle gleichzeitig das Abschiedskonzert des 79-Jährigen ist, hat er sich das Stück gewünscht.

Beim Holzmachen ist die Entscheidung gefallen. Gemeinsam mit dem damaligen zweiten Vorsitzenden der Trachtenkapelle arbeitete Edwin Hummel vor 60 Jahren im Wald, wenig später spielte der Musikneuling in dem Schuttertäler Orchester die Lyra. Dabei blieb es nicht lange, die große Trommel war ihm lieber. Bis heute. Wenn er am 8. April beim Frühjahrskonzert zum letzten Mal mit den anderen 67 aktiven Musikern auftritt, hinterlässt er eine Lücke. Menschlich und musikalisch. „Edwin kann man nicht ersetzen“, sagt Dirigent Manuel Philipp Gruber. „Für die große Trommel braucht es einfach jahrelange Erfahrung – es dauert sehr lange, bis man das Gefühl fürs Timing hat“, fügt er hinzu. Denn wenn Polkas und Märsche gespielt werden, dann haben der Dirigent und der große Trommler das Orchester im Griff.

Im Griff hatte Edwin Hummel als Rechner auch 22 Jahre lang die Finanzen des Vereins. „Zahlen waren sein Ein und Alles“, lobt der Vorsitzende Arnold Schultheiß. Auch in der Theatergruppe hat er 25 Jahre lang mitgespielt. „Zum Singen war ich aber nicht geeignet“, erinnert sich der 79-Jährige augenzwinkernd. „Edwin war immer da, wenn es etwas zu schaffen gab“, sagt Schultheiß. Doch nicht nur geschafft wurde bei der Trachtenkapelle. Etwa an eine Reise nach Köln in den 1960er Jahren erinnert sich Edwin Hummel noch heute gerne zurück. Über Kontakte hatten die Musiker die Gelegenheit, beim Karnevalsumzug in Köln auf einer Tribüne zu stehen und hier und da einen Tusch zu spielen. „Das war ein tolles Erlebnis.“ Auch an die Jubiläumsfeierlichkeiten der 117 Jahre alten Trachtenkapelle erinnert sich der 79-Jährige gerne: „Das waren herausragende Sachen im Vereinsleben.“ 60 Jahre dieser Geschichte hat er aktiv mitgestaltet. Das Probelokal in Schuttertal bezeichnet er als „Himmel“, denn er weiß noch allzu gut, wie er und die anderen Musiker damals zu den Proben im „Adler“ selbst das Holz zum Heizen mitbringen mussten.

„Der Eisenofen hat dann geraucht und Geräusche gemacht“, sagt Hummel. Dann sind sie in die Turnhalle umgezogen. „Doch da war es manchmal sehr, sehr kalt.“ Seit 17 Jahren sind die Musiker nun im Probelokal, in dem auch Edwin Hummels 30 Jahre alte große Trommel steht.

Warum er jetzt aufhört? „Da mache ich es wie Poldi und sage, dass irgendwann Schluss sein muss“, sagt der Trommler schmunzelnd. „Natürlich ist auch Wehmut dabei, aber wenn man fast 80 ist, geht’s halt einfach nicht mehr so.“ Das Stück „Alte Kameraden“ war Edwin Hummels erster Marsch, den er als Musiker gespielt hat. Beim Frühjahrskonzert wird es das letzte Stück sein, das die Trachtenkapelle spielt, bevor Edwin Hummel seine Laufbahn als aktiver Musiker beendet. „Als Zuschauer werde ich mit Sicherheit künftig kommen – und wie ich mich kenne, schaue ich freitags nach der Probe auch mal im Probelokal vorbei“, kündigt Edwin Hummel lachend an.

Der Nachwuchs im Verein jedenfalls steht schon parat: Alleine beim Frühjahrskonzert spielen sieben Jungmusiker zum ersten Mal mit.