Badische Zeitung 2017

Ganz großes Musik-Kino

Von monumentalen Filmmusiken bis zur Oper beschwor die Trachtenkapelle Schuttertal die Gefühle der Zuhörer herauf.

SCHUTTERTAL. Fulminante, klassische und viele bekannte Melodien hat die Trachtenkapelle Schuttertal bei ihrem Frühjahrskonzert am Samstagabend präsentiert. Ehrenmitglied Erwin Hummel wurde nach 60 Jahren aktiver Mitgliedschaft (die BZ berichtete) mit Ehrungen in den Musikerruhestand verabschiedet.

Unter der Leitung von Dirigent Manuel Philipp Gruber boten die Musiker gemeinsam mit der Winzerkapelle Köndringen einen musikalischen Abend, der bis in die Nacht hinein gefeiert wurde. Große Namen standen auf dem Programm: Von Giaccomo Rossini reichte die Bandbreite bis hin zu James Horner und John Williams. Mit „The Olympic Spirit“ eröffnete auch gleich ein fulminantes Werk des Filmkomponisten-Gurus mit den sprichwörtlichen Pauken und Trompeten den Konzertabend. Nicht das erste olympische Stück von John Williams, der zusätzlich zu seinen zahlreichen bekannten Filmmelodien wie beispielsweise aus „Indiana Jones“, „Der weiße Hai“ und „Harry Potter“ auch die Olympischen Spiele von 1984, 1996 und 2002 mit seiner Musik begleitete. „The Olympic Spirit“, dem Stück der Spiele in Seoul 1988, fehlt es daher nicht an Pathos.

Mit den munteren Melodien von Rossinis „Barbier von Sevilla“ und dem „Concertino für Altsaxophon und Blasorchester“ machte das Orchester einen Abstecher in die Klassik. Überzeugend hier Solistin Selina Schwörer: Sie verlieh den langsamen Teilen das nötige Gefühl und spielte die schnellen Passagen mit scheinbar müheloser Leichtigkeit. Hierbei, wie auch beim zweiten Stück mit Solisten, dem „Tequini“ mit Jonas Singler am Euphonium, machte das Zuhören dank des guten Klanggleichgewichts zwischen Solisten und Orchester doppelt so viel Spaß.

Jonas Singler machte außerdem deutlich, dass sich schnelle Rhythmen und ein Euphonium nicht ausschließen, sondern den gewünschten Effekt des Drinks namens Tequini produzieren: Ein warmes Kribbeln in der Magengegend und den Drang, sich im Rhythmus zu bewegen.

Mit „Red Rock Mountain“ von Rossano Galante, „einem musikalischen Gemälde einer Landschaft in Pennsylvania“, wie Moderator David Feißt das Stück beschrieb, gelang es dem Orchester, die Zuhörer für einen Moment die Festhalle vergessen zu lassen. Die Musik führte durch Felsschluchten und über weite Wälder, fing hier und dort ein Detail der Natur ein, um schließlich wieder gleich einer Kamera in die Totale zu schwenken und ein beeindruckendes Bergpanorama bei Sonnenaufgang zu würdigen. Auch für den zweiten Teil des Abends, der von der Winzerkapelle Köndringen unter der Leitung von Alfredo Mendieta gestaltet wurde, standen die ganz großen Gefühle im Programm: „Titanic“, „Star Wars“, „Aladdin“ und „Skyfall“– eine fast schon monumentale Liste. Entsprechend gebannt lauschten die Zuhörer auch diesem Teil des Programms, der bei nicht Wenigen Erinnerungen und Stimmungen vergangener Tage wieder aufleben ließ. Die Winzerkapelle zeigte, dass in James Horners Filmmusik von „Titanic“ mehr steckt als der Hit „My heart will go on“ und führte mal verträumt sehnsuchtsvoll, mal bedrohlich bedrückend durch die Gefühlswelt des Films. Nach den bekannten futuristischen Motiven von „Star Wars“ – noch einmal Filmkomponist John Williams – und „Aladdin“ war begeisternder Schluss-Höhepunkt das „Skyfall Theme“ mit der jungen Solistin Rebekka Herr.

Ehrungen: Goldene Ehrennadel mit Diamant für 60 Jahre aktiv Erwin Hummel (Schlagzeug), goldene Ehrennadel für 40 Jahre aktiv Hubertus Kopf (Schlagzeug), silberne Ehrennadel für zwölf Jahre im Vorstand Bruno Himmelsbach